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Frühkindlicher Autismus

Der frühkindliche Autismus, auch Kanner-Syndrom genannt, hat als auffälligstes Merkmal neben den Verhaltensabweichungen eine stark eingeschränkte Sprachentwicklung, bei weiteren Behinderungen motorische Beeinträchtigungen und ist häufig geistig behindert.

Merkmale des frühkindliches Autismus

Unterscheidungsmerkmale zwischen früh. Autismus und Asperger Syndrom
Beim frühkindlichen Autismus sind die ersten Auffälligkeiten ab dem 10. bis 12. Lebensmonat. Sie halten nur sehr wenig und flüchtig Blickkontakt und haben oft eine verzögerte Sprachentwicklung. Beim Anfangen vom Sprechen tritt oftmals eine Echolalie auf.

Es gibt Kinder mit teilweiser geistiger Behinderung, aber auch mit normaler Intelligenz.
In Ihrer Motorik gibt es keinerlei Anzeichen, welche man auf Autismus zurückführen kann.

Diagnosekriterien

Im DSM-IV wird der frühkindliche Autismus den tief greifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet und durch folgende diagnostische Kriterien beschrieben:

A. Es müssen mindestens sechs Kriterien aus 1, 2 und 3 zutreffen, wobei mindestens zwei Punkte aus 1 und je ein Punkt aus 2 und 3 stammen müssen:
(1) qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion in mindestens zwei der folgenden Bereiche:

ausgeprägte Beeinträchtigung im Gebrauch vielfältiger nonverbaler Verhaltensweisen wie beispielsweise Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Gestik zur Steuerung sozialer Interaktionen,
Unfähigkeit, entwicklungsgemäße Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen,
Mangel, spontan Freude, Interessen oder Erfolge mit anderen zu,
Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit;

(2) qualitative Beeinträchtigungen der Kommunikation in mindestens einem der folgenden Bereiche:
verzögertes Einsetzen oder völliges Ausbleiben der Entwicklung gesprochener Sprache, bei Personen mit ausreichendem Sprachvermögen deutliche Beeinträchtigung der Fähigkeit, ein Gespräch zu beginnen oder fortzuführen, stereotyper oder repetitiver Gebrauch der Sprache,

(3) beschränkte, repetitive und stereotype Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten in mindestens einem der folgenden Bereiche:

umfassende Beschäftigung mit einem oder mehreren stereotypen und begrenzten Interessen, wobei Inhalt und Intensität außergewöhnlich sind,
auffällig starres Festhalten an bestimmten nichtfunktionalen Gewohnheiten oder Ritualen,
stereotype und repetitive motorische Manierismen,
ständige Beschäftigung mit Teilen von Objekten.

B. Beginn vor dem dritten Lebensjahr und Verzögerungen oder abnorme Funktionsfähigkeit in mindestens einem der folgenden Bereiche:

soziale Interaktion,
Sprache als soziales Kommunikationsmittel oder
symbolisches oder Fantasiespiel.

C. Die Störung kann nicht besser durch die Rett-Störung oder die Desintegrative Störung im Kindesalter erklärt werden.
Darüber hinaus nennt ICD-10 noch unspezifische Probleme wie Befürchtungen, Phobien, Schlafstörungen, Essstörungen, Wutausbrüche, Aggressionen und selbstverletzendes Verhalten .

Soziale Interaktion

Eine qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion zeigt sich oft schon in den ersten Lebensmonaten durch fehlende Kontaktaufnahme zu den Eltern, insbesondere zur Mutter.

Viele Kinder mit frühkindlichem Autismus strecken der Mutter nicht die Arme entgegen, um hochgehoben zu werden. Sie lächeln nicht zurück, wenn sie angelächelt werden, und nehmen zu den Eltern keinen angemessenen Blickkontakt auf.

Doch sind autistische Kinder genauso stark emotional mit ihrer Mutter verbunden wie nicht-autistische Kinder und haben genauso viel Mitgefühl wie nicht-autistische Kinder.

Kommunikation

Etwa jedes zweite Kind mit frühkindlichem Autismus entwickelt keine Lautsprache. Bei anderen verzögert sich die Sprachentwicklung. Die Entwicklung der Lautsprache erfolgt oft über eine lange Phase der Echolalie, manche der betroffenen Personen kommen über diese Phase nicht heraus. Im Kindesalter werden oft die Pronomina vertauscht.
Diese Eigenart bessert sich üblicherweise im Laufe der Entwicklung. Zudem gibt es oft Probleme mit Ja/Nein-Antworten, Gesagtes wird stattdessen durch Wiederholung bestätigt.

Die Probleme in der Kommunikation äußern sich in schwieriger Kontaktaufnahme zur Außenwelt und zu anderen Menschen.
Manche Autisten scheinen die Außenwelt kaum wahrzunehmen und teilen sich ihrer Umwelt auf ihre ganz individuelle Art mit.
Die visuellen und auditiven Wahrnehmungen sind oft deutlich intensiver als bei neurologisch typischen Menschen, daher scheint als Selbstschutz eine Abschaltfunktion im Gehirn die Reizüberflutung auszublenden.

Autisten haben ein individuell unterschiedlich ausgeprägtes Bedürfnis nach Körperkontakt.
Einerseits nehmen manche mit fremden Menschen direkten und teils sozial unangemessenen Kontakt auf, andererseits kann auch jede Berührung für sie aufgrund der Überempfindlichkeit ihres Tastsinns unangenehm sein.

Repetitive und stereotype Verhaltensmuster

In einem sehr jungen Alter davon angehaftet zu sein, Kisten und andere Gegenstände zu stapeln oder geradlinig aufzustellen, kann ein zeitiges Anzeichen für Autismus sein.

Veränderungen ihrer Umwelt, wie zum Beispiel umgestellte Möbel oder ein anderer Schulweg, beunruhigen und verunsichern manche autistische Menschen. Manchmal geraten Sie auch in Panik, wenn sich Gegenstände nicht mehr an ihrem gewöhnlichen Platz oder in einer bestimmten Anordnung befinden, oder es bringt sie ein unangekündigter Besuch oder spontaner Ortswechsel völlig aus der Fassung.

Die Tatsache, dass Menschen mit Autismus eine intensivere Wahrnehmung für Details haben und daher auch kleine Veränderungen bemerken können, verschlimmert dieses Problem. Handlungen laufen meist nach strengen Ritualen ab und Abweichungen von diesen Ritualen führen zu Chaos im Kopf, denn autistische Menschen haben bei unerwarteten Veränderungen von Situationen oder Abläufen keine alternativen Strategien.

Unter stark autistischen Menschen anzutreffende repetitive Stereotypien können sein: Schaukeln mit Kopf oder Oberkörper, im Kreis umher gehen, Finger verdrehen, Oberflächen betasten und vereinzelt auch selbstverletzendes Verhalten wie etwa Finger blutig knibbeln, Nägel bis über das Nagelbett hinaus abkauen, Kopf anschlagen, mit Hand an Kopf schlagen, sich selbst kratzen, beißen oder anderes.

Dieses selbstverletzende Verhalten hinterlässt mehr oder weniger sichtbare Spuren wie Bissspuren, Narben und verschorfte Wunden auf der Haut und an den Armen.
Repetitive und sich wiederholende Verhaltensweisen wirken auf alle Menschen beruhigend und sind möglicherweise mehr ein Kennzeichen für starken Stress als für Autismus selbst, was die Frage aufwirft, warum Autisten oft zu viel Stress ausgesetzt sind.



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